Homeoffice ist längst mehr als ein Corona-Relikt, sondern gelebte Realität. Und die Debatte Homeoffice vs. Präsenzarbeit ist längst Büro-Diskussions-Alltag geworden. Die Stanford-Studie von 2024 zeigt: Zwei bis drei Tage Arbeit von zuhause steigern Zufriedenheit, binden Mitarbeitende ans Unternehmen und senken die Fluktuation. Klingt nach einem Gewinn auf allen Seiten. Doch in der Praxis brodelt es, und zwar zwischen zwei Perspektiven:
Viele Führungskräfte tun sich schwer damit, Mitarbeitende nicht mehr täglich im Büro zu sehen. Präsenz galt jahrzehntelang als Synonym für Produktivität. Wer da ist, arbeitet, wer nicht da ist, macht Pause. Homeoffice stellt diese Logik auf den Kopf.
Plötzlich zählen Ergebnisse mehr als bloße Anwesenheit. Doch genau das haben einige Führungskräfte nie gelernt: Vertrauen und Outcome-Orientierung ins Zentrum zu stellen. Stattdessen reagieren manche mit Mikromanagement, ständigen Calls, überbordenden Reportings oder subtilen Botschaften wie: „Wenn du Karriere machen willst, solltest du besser im Büro sichtbar sein.“ Damit untergraben sie das eigentliche Potenzial von Homeoffice und flexibler Arbeit.
Kontrolle hat aber auch eine positive Seite. Im besten Sinne bedeutet sie nicht Überwachung, sondern Aufmerksamkeit: das kurze Gespräch auf dem Flur, der Blick ins Büro oder die spontane Frage: „Geht’s dir gut? Wie läuft’s bei dir gerade? Wie ist die Stimmung im Team?“
Genau diese Momente gehen im Homeoffice oft verloren. Führungskräfte haben weniger Möglichkeiten, nonverbale Signale wahrzunehmen, sich in die Lage ihrer Mitarbeitenden einzufühlen oder die Stimmung im Team rechtzeitig zu erfassen. Diese Form der Kontrolle ist keine Schikane, sondern Fürsorge, und sie trägt entscheidend zum Zusammenhalt und zur Kultur im Team bei.
Für viele Beschäftigte bedeutet Homeoffice eine enorme Entlastung. Kein täglicher Pendelstress, mehr Flexibilität für Familie oder private Aufgaben, konzentrierteres Arbeiten ohne ständige Büroablenkungen. Sie erleben mehr Selbstbestimmung, fühlen sich produktiver und wünschen sich diese Freiheit dauerhaft.
Das Problem: Wenn Führungskräfte misstrauisch wirken oder Anwesenheit im Büro stillschweigend doch wieder zur Währung machen, kippt der positive Effekt. Mitarbeitende fühlen sich gegängelt, und die Vorteile von Homeoffice verwandeln sich in Frust.
Homeoffice macht sichtbar, was schon immer galt: Führung ist keine Frage von Präsenz, sondern von Beziehung. Wer seinen Mitarbeitenden nicht vertraut, hat auch im Büro keine echte Kontrolle, sondern nur die Illusion davon.
Der Schlüssel liegt in einem klaren Paradigmenwechsel: Ergebnisse statt Arbeitszeit bewerten, Output statt Anwesenheit honorieren und Verantwortung statt Mikromanagement fördern.
Führungskräfte müssen alte Muster loslassen und neue Kompetenzen aufbauen. „Command & Control“ funktioniert im Homeoffice nicht. Gefragt sind Eigenschaften, die Vertrauen schaffen, Eigenverantwortung stärken und trotzdem Nähe ermöglichen.
Transparente Kommunikation: Erwartungen, Prioritäten und Verantwortlichkeiten müssen klar formuliert und für alle zugänglich sein, und zwar unabhängig davon, ob jemand im Büro oder zuhause arbeitet.
Neue Rituale: Der kurze Plausch in der Kaffeeküche entfällt im Homeoffice. Deshalb braucht es andere Wege, um Nähe zu schaffen, etwa kurze Check-ins, virtuelle Team-Stand-ups oder auch spontane Telefonate. Wichtig ist: Austausch, nicht Kontrolle.
Empathie und psychologische Sicherheit: Distanz darf nicht zu Beziehungsdistanz führen. Wer bewusst nachfragt („Wie geht’s dir gerade?“, „Was brauchst du?“), schafft psychologische Sicherheit. Studien belegen, dass Teams mit psychologischer Sicherheit innovativer, entscheidungsstärker und resilienter sind. Spoiler: “Psychologische Sicherheit im Team” wird eines unserer nächsten Themen sein. 🙂
Ergebnisorientiertes Führen: Anwesenheit ist kein Leistungsbeweis. Entscheidend ist, was erreicht wird, ob Deadlines eingehalten werden und welchen Beitrag jemand zum Gesamterfolg leistet.
Kultur der Sichtbarkeit: Remote-Arbeit birgt die Gefahr, dass Arbeit „unsichtbar“ wird. Führungskräfte müssen Leistungen sichtbar machen, etwa durch Projekt-Updates, gemeinsame Erfolgsmomente oder gezielte Anerkennung.
Doch nicht nur Führungskräfte sind gefordert. Auch Teams müssen lernen, Homeoffice verantwortungsvoll zu gestalten.
Selbstverantwortung: Wer zuhause arbeitet, muss seine Zeit so organisieren, dass Ergebnisse stimmen. Deadlines sind nicht nur Pflicht. Sie sind DIE Basis für Vertrauen. Wie diszipliniert bist du? Kannst du priorisieren? Wie fokussiert arbeitest du?
Faire Regeln: Damit Homeoffice funktioniert, braucht es gemeinsame Absprachen über Arbeitszeiterfassung, Erreichbarkeit und Pausen. Denn: Arbeitszeitbetrug ist laut Studien weiter verbreitet, als viele denken: 13 % der Beschäftigten geben an, ihre Zeiten nicht korrekt zu erfassen und 72 % gaben an, private Dinge während der Arbeitszeit zu erledigen.
Offene Kommunikation: Teams müssen ehrlich ansprechen, wenn Homeoffice zur Belastung wird, sei es durch zu viel Kontrolle, zu wenig Austausch oder fehlende Fairness. Nur so können Missverständnisse geklärt und Lösungen gefunden werden.
Vertrauen und Sichtbarkeit: Arbeit im Homeoffice darf nicht unsichtbar bleiben. Ergebnisse teilen, Fortschritte dokumentieren und Erfolge feiern sorgt dafür, dass Leistung anerkannt wird. Gleichzeitig gilt: Feierabend bleibt Feierabend. Homeoffice ist kein Freifahrtschein für ständige Erreichbarkeit.
Homeoffice und Präsenzarbeit sind kein Entweder-Oder, sondern zwei Welten, die sinnvoll verbunden werden müssen. Homeoffice bedeutet nicht Kontrollverlust, sondern eine Einladung zu neuer Führung. Eine Führung, die auf Vertrauen setzt, Verantwortung teilt und Ergebnisse ins Zentrum stellt. Mitarbeitende gewinnen Freiheit, Führungskräfte lernen loszulassen. Am Ende profitieren beide Seiten, wenn sich beide fair an die Absprachen halten.
Was ich festgestellt habe: Wer betrügen will, kann das überall, im Homeoffice genauso wie im Büro. Präsenz schützt nicht vor Arbeitszeitbetrug. Und wenn eine Führungskraft nicht vertrauen kann, dann gelingt es auch nicht, nur weil alle ständig im Office sitzen.
Und damit sind wir wieder bei der Selbstverantwortung. Denn am Ende entscheidet nicht der Arbeitsort, sondern die Haltung, mit der wir arbeiten. Und wie erfolgreich wir sind. Und wie viel Freude wir bei der Arbeit haben 🙂
Ich habe übrigens für beide Parteien, also Führungskräfte und Teams, jeweils eine Checkliste für eine gut organisierte Hybridarbeit erstellt und sie allen registrierten Mitgliedern zukommen lassen. Wenn du diese Checklisten ebenfalls haben möchtest, registriere dich kostenlos oder schreib mir eine Mail an maria@montagsfreude.de, dann lasse ich sie dir zukommen.
Freude und Grüße!
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