Wir alle kennen sie: Kolleg:innen, die ungefragt korrigieren, sich in jedes Detail einmischen und ständig das Gefühl vermitteln, alles besser zu wissen. Besserwisser sind echte Energieräuber. Sie schaden nicht nur der Stimmung, sondern auch der Zusammenarbeit im Team.
Besserwisser unterbrechen andere, stellen kaum Fragen und lassen ihr Gegenüber oft schlechter aussehen. Du präsentierst eine Idee, in die du Stunden an Recherche, Quellen, Pro- und Contra-Abwägungen investiert hast? Sie interessieren sich herzlich wenig für deine gründliche Arbeit. Stattdessen geht es nur um ihre „Ich-weiß-es-besser“-Attitüde. Sie stellen kaum Verständnisfragen, sie hören auch nicht wirklich zu, sondern nur so lange, bis sie mit ihrer nervigen Besserwisserei kontern können.
Besserwisser hören nur zu, um zu kontern und sich zu produzieren. Interessierte hören zu, um zu verstehen. Sie stellen Fragen, wollen deinen Weg nachvollziehen, interessieren sich für Hintergründe. Das eine stört und nervt. Das andere stärkt und inspiriert.
Ich selbst probiere viel aus, starte Neues, fahre Projekte auch mal an die Wand, biege falsch ab, mache viele Fehler und muss mich oft korrigieren. Klar gehört das dazu. Genau in diesen Momenten tauchen sie auf, um mit ihren gebetsmühlenartigen Standardsprüchen ihre Genugtuung abzuholen:
Aus ihrer bequemen, nicht wirklich etwas wagenden Sicherheit heraus behaupten sie dann allen Ernstes, sie hätten es doch schon immer gewusst.
Früher habe ich emotionaler reagiert und mit ihnen diskutiert und argumentiert. Heute nicht mehr. Heute sage ich mit gespielter Dramatik: „Mensch, warum nur habe ich nicht auf dich gehört! Ich bin so ein Idiot!“ Zack! Spiel aus. Überraschenderweise kommen viele mit dieser überzogenen Reaktion gar nicht klar.
Inzwischen mache ich es bereits im Vorfeld anders: Ich erzähle keine Ideen oder Pläne mehr, diskutiere nichts groß aus. Ich komme mit Ergebnissen. Läuft es gut, bleiben die Besserwisser ohnehin fern, und zwar richtig fern, du bekommst nichts von ihnen mit. Oder sie kommentieren bei Dritten, was sie angeblich besser gemacht hätten. (Dann wären wir übrigens schon bei den Lästermäulern, die bekommen an anderer Stelle noch ihren Auftritt.) Läuft es schlecht, habe ich es längst verarbeitet und brauche ihre Kommentare nicht mehr. Aber klar: Ich habe es leichter, weil ich frei arbeite. Im Team musst du mit solchen Kolleg:innen natürlich trotzdem einen Weg finden, klarzukommen.
Psychologisch lässt sich dieses Verhalten gut erklären. Der sogenannte Dunning-Kruger-Effekt beschreibt, dass Menschen mit geringer Sachkenntnis ihre eigenen Fähigkeiten systematisch überschätzen. Der Grund ist paradox, aber logisch: Wer wenig weiß, dem fehlt genau das Wissen, um zu erkennen, was er nicht weiß. Dadurch entsteht ein Gefühl von Sicherheit, das nicht auf Kompetenz, sondern auf fehlender Selbsteinschätzung beruht.
Besserwisser wirken deshalb oft überzeugt, nicht weil sie recht haben, sondern weil ihnen die Vergleichsmaßstäbe fehlen. Sie hören nicht zu, sie prüfen nicht nach, sie korrigieren reflexhaft, weil sie ihre eigene Sicht für vollständiger halten, als sie ist.
Darauf spielt ein oft zitierter, Ricky Gervais zugeschriebener Satz an: „Remember, when you are dead you do not know you are dead. It is only painful for others. The same applies when you are stupid.“
Kurzfristig nervt das Ganze nur. Langfristig aber wirkt es sich massiv auf Produktivität und Miteinander aus.
Studien zeigen: Psychologische Sicherheit ist ein zentraler Erfolgsfaktor für Teams. Genau diese wird durch ständige Besserwisserei zerstört, weil sich andere nicht mehr trauen, Ideen frei zu äußern. Am Ende macht Besserwisserei Teams nicht schneller oder besser, sondern langsamer und vorsichtiger.
Also? Wie mit ihnen umgehen?
Statt dich in emotionalen Machtkämpfen zu verstricken oder genervt die Augen zu rollen, hilft eine klare Strategie. Eine, die souverän bleibt und trotzdem Grenzen setzt: meine FAIRER-Methode.
Erstmal durchatmen. Ein neutrales „Danke für die Info“ verschafft dir eine kleine Pause und vermeidet vorschnelle Reaktionen (für mich sehr wichtig).
Freundlich, aber bestimmt: „Darf ich kurz ausreden?“ oder „Lass mich den Gedanken eben zu Ende bringen.“ Ich habe mir die zweite Frage angewöhnt, die erste kann ich nur zickend sagen, und das will ich denen nicht gönnen.
„Für mich passt das in diesem Fall so.“ Peng! KO-Aussage. Bleib auf deinem Kurs, anstatt dich verunsichern zu lassen.
Egal wie genervt du bist: Respekt ist die Basis. So verhinderst du, dass das Gespräch eskaliert. Mir fällt das nicht immer leicht, bei nichtstuenden Besserwissern respektvoll zu bleiben, da hilft mir das Zitat von Georg-Wilhelm Exler: „Besserwisser heißen Besserwisser, weil sie es nicht besser können.“ Die können es einfach nicht. Die reden nur rum.
Mach den Besserwisser zum Mitspieler statt zum Störenfried. „Mensch, du bist in dem Thema richtig fit! Magst du nächste Woche dein Konzept präsentieren?“ So lenkst du die Energie um und entlarvst ganz nebenbei, ob wirklich Substanz dahintersteckt. Meist nicht, aber wenn doch, hey! Beide gewonnen!
Besserwisser leben von Gegenwehr, sie lieben es, mit ihrem theoretischen Bla-Bla zu provozieren. Wenn du gelassen bleibst, verhungern ihre Sprüche an deiner Coolness.
Die FAIRER-Methode ist mehr als ein Trick. Sie ist eine Haltung: klar, souverän, respektvoll und dabei humorvoll genug, um über den Dingen zu stehen.
Man kann ja nicht jedem Besserwisser aus dem Weg gehen, schon gar nicht im Team, ihr müsst ja miteinander klarkommen. Da reicht manchmal die spontane Reaktion nicht aus. Dann hilft ein ruhiges Gespräch unter vier Augen:
„Mir ist aufgefallen, dass du ziemlich fix mit Verbesserungsvorschlägen bist, wenn jemand eine Idee vorstellt. Das führt dazu, dass andere zurückhaltender werden, ihre Gedanken zu teilen, mich eingeschlossen. Für unsere Zusammenarbeit wäre es hilfreich, wenn wir Ideen erst aussprechen und sammeln, bevor wir sie gemeinsam bewerten.“
Solche Gespräche sind nicht immer leicht, aber sie schaffen Klarheit und können die Zusammenarbeit nachhaltig verbessern.
“Besserwisser heißen Besserwisser, weil sie es nicht besser können.” – Georg-Wilhelm Exler
Sie können es nicht. Jeder, des wirklich besser kann, der unterstützt, der anerkennt, lobt etc. Das sind alberne Theoretiker. Du aber kannst es besser: indem du gelassen bleibst, Grenzen setzt und die FAIRER-Methode einsetzt. Damit schützt du nicht nur deine Nerven, sondern stärkst auch dein Team.
Zu diesem Blog habe ich auch ein Video gemacht.
Viel Spaß beim Ausprobieren!
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