Du gehst in ein Gespräch, bist vorbereitet, hast gute Argumente, willst verhandeln. Und trotzdem gehst du raus und denkst: Das war nicht das, was ich wollte.
Und das betrifft im Berufsleben viele: Sales-Leute nach einem Kundengespräch, bei dem sie zu viel gegeben haben. Führungskräfte, die Erwartungen klären wollen und trotzdem ohne Ergebnis rausgehen. Angestellte, die nicht ihre gewünschte Gehaltserhöhung bekommen haben. Und die wenigsten wissen, woran das wirklich liegt.
Verhandlungen gehören zum Joballtag, und das nicht nur in der Sales-Abteilung: Aufgaben werden verteilt, Zuständigkeiten verschoben, Prioritäten gesetzt, Erwartungen formuliert. Hier greift der häufigste Denkfehler: Wer die besseren Argumente hat, gewinnt.
In der Praxis passiert etwas anderes. Menschen reden aneinander vorbei, Ziele bleiben unklar, Entscheidungen werden vertagt. Oder es wird vorschnell nachgegeben, nicht weil die Argumente schlecht waren, sondern weil die Grundlage gefehlt hat.
Das ist der Kern des Problems. Wer überzeugen will, erklärt. Wer verhandeln will, muss zuerst verstehen. Das sind zwei grundverschiedene Gespräche.
Ein Verhandlungsgespräch ist kein Gespräch über Argumente. Es ist ein Gespräch über Klarheit darüber, was du wirklich willst und was die andere Seite braucht.
Verhandeln ist kein Durchsetzen und kein Überzeugen. Es ist ein Tausch: Beide Seiten geben etwas, beide bekommen etwas. Und dieser Tausch funktioniert nur auf Augenhöhe. Fehlt sie, gibt es keinen Austausch, sondern Gewinner und Verlierer.
Der größte Hebel liegt nämlich selten in der Technik. Er liegt in dir: Wenn du deinen Wert nicht kennst, wenn du mit Druck ins Gespräch gehst, weil du auf den Abschluss angewiesen bist, wenn du Konflikt um jeden Preis vermeiden willst, dann verhandelst du nicht auf Augenhöhe. Dann gibst du nach, bevor es nötig ist. Das ist keine Frage von Technik. Das ist eine Frage von Haltung.
1. Ziel klären, bevor du redest.
Viele gehen in Gespräche, ohne ihr eigentliches Ziel zu kennen. Dann verlieren sie im Gespräch leicht die Orientierung. Das Ziel gehört nicht ins Gespräch, es gehört davor: Was willst du erreichen? Denk drei Szenarien vorab durch: Was ist dein bestes Ergebnis, was ist realistisch und wo ist deine Grenze?
2. Interessen verstehen, nicht nur Positionen.
Denk auch die andere Seite durch. Was sind deren Interessen, nicht nur deren Positionen? Das zeigt auch das Harvard-Verhandlungsmodell: Positionen sind starr, man kommt kaum zur Einigung. Interessen sind flexibler. Was sind deine Interessen und was könnten die Interessen deines Gesprächspartners sein? Denn ja, die andere Seite entscheidet mit. Wer das ignoriert, verhandelt gegen eine Wand.
3. Fragen stellen statt argumentieren.
Ok, das wissen wir alle bereits: Wer fragt, führt, und wer nur erklärt, reagiert. Aber das ist kein rhetorischer Trick, das ist Gesprächsführung. Und obwohl das so klar ist, vergessen es in der Aufregung des Gesprächs dann doch viele. Stelle viele offene Fragen. Mit offenen Fragen wird nicht nur das Gespräch offener, du erfährst eben auch eine Menge über die Interessen deines Gesprächspartners. „Was ist dir bei dieser Entscheidung besonders wichtig?” ist eine andere Qualität als „Bist du damit einverstanden?”
4. Stille aushalten.
Die meisten geben nach, weil sie die Spannung, die bei Stille entsteht, nicht aushalten. Stille ist oft der Moment, in dem die andere Seite nachdenkt. Wenn du zu früh redest, nimmst du ihr diesen wichtigen Moment weg. Und dir selbst die Chance.
Auch solltest du nach dem ersten Nein nicht sofort reagieren. Lass drei, vier Sekunden vergehen. Dann frag: „Was wäre für dich ein akzeptabler Weg nach vorne?” Diese eine Frage verändert die Dynamik eines Gesprächs mehr als jedes Argument.
Wenn das Gespräch feststeckt, hilft eine zweite Frage: „Unter welchen Umständen wäre das für dich denkbar?“ Diese Frage (bei guten Verkäuferinnen und Verkäufern auch als UwU-Frage bekannt) öffnet Gespräche wieder, weil sie weg von Positionen und zurück zu Möglichkeiten führt.
5. Klar abschließen.
Eine Verhandlung ohne klares Ergebnis ist keine Verhandlung. Sie ist ein einfaches Gespräch oder gar ein offenes Thema, das in zwei Wochen wieder auf dem Tisch liegt. Halte am Ende fest: Was wurde vereinbart? Wer macht was bis wann? Sonst bleibt der Kontakt und das Gespräch unverbindlich.
Ein Kunde fordert mehr, als vereinbart war. Er sagt, es gehöre dazu. Du weißt, dass es das nicht tut. Du könntest jetzt das Angebot aufschlagen, auf Paragraphen zeigen, erklären. Und das tust du auch: Du erklärst. Er besteht. Du erklärst präziser. Er bleibt bei seiner Forderung.
Was hier passiert, ist keine Verhandlung. Der Kunde befiehlt, du verteidigst. Einer von beiden gibt nach, und meistens weißt du bereits, wer das sein wird.
Was stattdessen funktioniert: Frag, bevor du erklärst. „Was willst du damit erreichen?” “Warum ist das für dich wichtig?” Die Antwort überrascht oft: Was der Kunde fordert und was er wirklich braucht, sind selten dasselbe.
Wenn du das weißt, verhandelst du über das eigentliche Thema. Nicht über Positionen, sondern über Interessen. Und plötzlich gibt es Spielraum, der vorher nicht sichtbar war.
Das ist Augenhöhe. Nicht dass beide gleich viel Macht haben, sondern dass beide wissen, worüber sie eigentlich sprechen.
Sie scheitern an fehlender Klarheit über das eigene Ziel, über das Ziel der anderen Seite und über das, was am Ende des Gesprächs feststehen soll.
Wer das versteht, verhandelt anders: ruhiger, klarer und verbindlicher. Verhandeln ist keine Frage von Talent, es ist eine Frage von Vorbereitung und Haltung.
Viel Erfolg bei deinem nächsten Verhandlungsgespräch.

Ich bin Maria Mpalaoura, Beraterin, Trainerin und Gründerin von Montagsfreude. Hier schreibe ich über Themen, die helfen, Montagsfrust im Job zu überwinden und Arbeit motivierender zu gestalten.
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