Und es ist ein Prüfstein für Lernfähigkeit, Verantwortung und Führung.
Scheitern gehört zum Berufsleben. Projekte scheitern, Strategien greifen nicht, Entscheidungen erweisen sich im Rückblick als falsch. Problematisch ist nicht das Scheitern selbst, sondern der Umgang damit. In vielen Organisationen wird Scheitern verdrängt, beschönigt oder personalisiert. Das verhindert Lernen, erzeugt Angst und blockiert Entwicklung.
Entscheidend ist nicht, ob etwas scheitert, sondern wie darauf reagiert wird.
Episches Scheitern ist verheerend. Es entsteht dort, wo Warnsignale ignoriert, Risiken verdrängt und Entscheidungen trotz gegenteiliger Evidenz weiter verteidigt werden. Typisch sind hohe Folgeschäden, Vertrauensverlust und die Suche nach Schuldigen statt nach Ursachen.
Ein klassisches Beispiel ist Nokia. Über Jahre technologisch führend und erfolgsverwöhnt, unterschätzte das Unternehmen die strategische Bedeutung von Smartphones unde Software-Ökosystemen. Interne Warnungen waren bekannt, wurden jedoch relativiert oder politisch abgefedert. Statt Annahmen konsequent zu hinterfragen, hielt man an bestehenden Strukturen fest. Das Ergebnis war der Verlust der Marktführerschaft und eine massiv eingeschränkte strategische Handlungsfähigkeit.
Konstruktives Scheitern hingegen ist Teil eines Lernprozesses. Es bleibt begrenzt, wird analysiert und führt zu Anpassung. Es ist kein Selbstzweck und keine Heldengeschichte, sondern ein kontrollierter Erkenntnisgewinn. Der Unterschied liegt nicht im Ergebnis, sondern im System.
Ein bekanntes Beispiel ist Steve Jobs mit NeXT. NeXT scheiterte kommerziell. Die Produkte waren technisch ambitioniert, aber zu teuer und am Markt vorbei entwickelt. Statt das Scheitern zu personalisieren, nutzte Jobs diese Phase zur strategischen Weiterentwicklung. Die bei NeXT entstandene Software-Architektur wurde später zur Grundlage von macOS. Das Scheitern wurde analysiert, begrenzt und konsequent in eine Ressource überführt.
Ein weiteres Beispiel ist die Otto Group. Der Konzern erkannte früh, dass das klassische Versandhandelsmodell an Relevanz verlor. Statt am Status quo festzuhalten, analysierte man die Marktveränderungen, zog Konsequenzen und investierte konsequent in E-Commerce, Plattformmodelle und datengetriebene Geschäftsprozesse. Das Scheitern des alten Modells wurde genutzt, um das Unternehmen strategisch neu aufzustellen.
Scheitern wird destruktiv, wenn bestimmte Muster greifen:
Diese Fallen sind selten individuell. Sie sind fast immer strukturell oder kulturell bedingt. Und damit sind sie Führungsaufgabe.
Konstruktives Scheitern folgt keiner Emotion, sondern einer klaren Abfolge:
Ohne diese Schritte bleibt Scheitern bloße Erfahrung. Fortschritt entsteht erst durch Umsetzung.
Mein persönliches Beispiel
Ich bin selbst mit einer Nachbarschaftsbörse gescheitert. Nicht aus mangelndem Engagement, sondern aus eskalierendem Commitment. Trotz erkennbarer technischer Abhängigkeiten und fehlender Steuerbarkeit hielt ich aus dem Wunsch heraus, bereits investierte Zeit, Energie und finanzielle Mittel zu rechtfertigen an dem Projekt fest.
Der Wendepunkt kam dann doch gerade noch rechtzeitig. Ich habe das Scheitern akzeptiert, die Ursachen analysiert und eine klare Lehre gezogen: In einer digitalen Welt ist Gestaltung ohne eigene technologische Kompetenz einfach nicht möglich.
Ich habe neu gestartet. Nicht mit der gleichen Idee, sondern mit veränderten Voraussetzungen. Heute beherrsche ich die nötigen technischen Kompetenzen (Website, Social Media, Videoproduktion) selbst. Das frühere Scheitern wurde nicht verdrängt, sondern in Handlungskompetenz übersetzt.
Das ist konstruktives Scheitern: begrenzt, analysiert, umgesetzt.
So wird Scheitern steuerbar und lernfähig.
Aus konstruktiv verarbeitetem Scheitern lassen sich belastbare Lehren ziehen:
Scheitern ist nicht das eigentliche Risiko. Das größere Risiko besteht darin, gar nicht erst Neues zu wagen oder zu früh aufzugeben. „Es gibt mehr Menschen, die kapitulieren, als solche, die scheitern.“
Scheitern ist kein Gegenpol zu Kompetenz und Erfolg. Es ist ein Test für Lernfähigkeit, Verantwortung und Führung. Organisationen und Menschen, die Scheitern nicht tabuisieren, sondern strukturieren, entscheiden sich nicht für mehr Risiko, sondern für mehr Entwicklung.
Nicht dein Scheitern entscheidet. Sondern dein Umgang damit.
Zu diesem Text habe ich auch ein Video gemacht. Und ebenfalls sowohl als Blog als auch als Video findest du folgende Themen von montagsfreude passend dazu: Veränderungen verstehen mit der Change-Kurve und die Sieben Säulen der Resilienz.
Ich bin Maria Mpalaoura, Beraterin, Trainerin und Gründerin von Montagsfreude. Hier schreibe ich über Themen, die helfen, Montagsfrust im Job zu überwinden und Arbeit motivierender zu gestalten.
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