Nach einer Woche voller Frauenpower widme ich mich bewusst und mit Anerkennung den Männern in der Arbeitswelt. Welche Verhaltensmuster sehe ich immer wieder, die Organisationen voranbringen? Und was davon kann ich mir abschauen?
Ich beobachte Verhaltensweisen, die im Alltag effizienter sind oder schneller zum Ziel führen. Oft mit einer Leichtigkeit, bei der ich mich selbst ertappe: Ich denke zu lange nach, ich will es „richtig“ machen, ich warte auf Sicherheit, vielleicht muss ich erst noch eine Weiterbildung absolvieren? Und dann sehe ich Kollegen, die einfach losgehen. Die sagen: “Wenn nötig, kann ich immer noch unterwegs nachjustieren!”. Wie effektiv!
Das sind keine Zuschreibungen an „alle Männer“. Es sind wiederkehrende Muster, die mir im Kontakt mit Kollegen, Kunden und Partnern immer wieder begegnen und die ich wertschätze.
Was ich an vielen Männern bewundere: Sie behandeln Netzwerke nicht als Imagefrage, sondern als Arbeitsinstrument. Sie knüpfen Kontakte, stellen Verbindungen her, bauen Beziehungen auf, halten sie warm, fragen nach, und das auf eine leichte, pragmatische Art.
Bei Männern wirkt es oft so selbstverständlich:
Du brauchst einen Kontakt? Ich kenne da jemanden.
Du hängst fest? Ich rufe kurz an.
Du willst wechseln? Lass uns mal sprechen.
Du hast Erfolge zu vermelden? Lass uns auf ein Bierchen gehen!
Ihre Netzwerke sind sehr funktional. Und ja: Netzwerken hat messbare Karriereeffekte. Studien zeigen seit Jahren, dass Networking-Verhalten mit Karriereerfolg zusammenhängt.
Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zeigt, dass informelle Kontakte bei Stellenbesetzungen eine erhebliche Rolle spielen.
Studien des DIW Berlin zeigen, dass Männer im Durchschnitt häufiger Zugang zu einflussreichen beruflichen Netzwerken haben, was Aufstiegschancen beeinflusst.
Die AllBright-Stiftung weist in ihren Berichten zur Besetzung von Vorständen regelmäßig auf die Rolle gewachsener männlicher Netzwerke hin.
Wir Frauen sollten Netzwerken weniger als „Selbstmarketing“ framen und mehr als das sehen, was es ist: Ökonomisches Kapital. Männer nutzen hier ihre Chancen hier deutlicher.
Ich schätze die Bereitschaft, Entscheidungen zu treffen, bevor alles zu 100 % klar ist. Statt auf den idealen Moment zu warten, wird eine Richtung gewählt: „Das testen wir jetzt“. „Das probieren wir“. „Das drehen wir notfalls wieder“. Peng! Losgegangen!
Dazu passt die Forschung aus der Ökonomie und Psychologie: Männer wählen in Experimenten häufiger kompetitive Optionen und zeigen im Durchschnitt eine höhere Risikobereitschaft. Das kann erklären, warum Handlungsentscheidungen oft früher fallen.
Ich kenne dieses Warten auf mehr Sicherheit auch sehr gut: Dieses innere Bedürfnis, alles noch einmal abzusichern. Im beruflichen Alltag kann übermäßige Absicherung zur Bremse werden.
Der KfW-Gründungsmonitor zeigt beispielsweise, dass Männer in Deutschland, insbesondere in kapitalintensiven Branchen, häufiger gründen als Frauen. Hier geht es nicht um die Qualität der Entscheidungen, sondern um den Zeitpunkt. Frühere und schnellere Entscheidungen erhöhen Geschwindigkeit, und das kann ein relevanter Wettbewerbsfaktor sein.
Ich beobachte häufig, dass Erfolge anderer eher als Benchmark gelesen, nicht als Bedrohung gesehen werden: „So geht das also. Interessant.“
Die Wettbewerbsforschung zeigt, dass Männer, selbst bei vergleichbarer Leistungsfähigkeit, im Schnitt häufiger kompetitive Situationen wählen. Das verändert Karrieredynamiken.
Mir gefällt an dieser Haltung vor allem, dass sie Energie spart: Weniger innere Vergleichsschleifen, stattdessen mehr Fokus auf das eigene Ziel.
In Teams entstehen Reibungen. Entscheidend ist, wie sie verarbeitet werden.
Die arbeitspsychologische Forschung unterscheidet klar zwischen Sachkonflikten und Beziehungskonflikten. Sachliche Auseinandersetzungen können Leistung steigern, persönliche Konflikte hingegen blockieren.
Forschung und Praxis deuten darauf hin, dass Männer Konflikte häufiger problemorientiert führen. Wird Kritik primär an der Aufgabe ausgerichtet, stabilisiert das Beziehungen und erleichtert die Weiterarbeit im Team.
Meine Beobachtung: Kritik gilt der Sache, nicht dem Wert des Gegenübers. Das Trennen von Sache und Beziehung stabilisiert Teams und Prozesse. Es verhindert, dass Missverständnisse tagelang nachwirken. Nach dem Streit geht es weiter.
Fehler passieren. Sie sind keine Makel, sondern Information: Sie werden erkannt, reflektiert und anschließend eingeordnet. Statt grundsätzlicher Selbstinfragestellung ermöglichen sie Anpassung und Weiterarbeit.
Ich beobachte bei vielen Männern eine größere Tendenz, Fehler als situative Rückmeldung zur Aufgabe zu interpretieren und weniger als Hinweis auf eigene grundsätzliche Kompetenz. Frauen hingegen neigen häufiger dazu, Misserfolge selbstkritisch zu bewerten und stärker auf die eigene Person zu beziehen. Auf der KfW-Gründungsmonitor zeigt, dass Frauen Angst vor dem Scheitern häufiger als Hemmnis nennen als Männer. Diese unterschiedlichen Muster beeinflussen, ob Fehler primär als Anlass zur Kurskorrektur oder als Auslöser von Selbstzweifeln erlebt werden.
Wird ein Fehler primär als Rückmeldung zur Aufgabe verstanden, verkürzt sich die Verweildauer im Selbstzweifel und die Aufmerksamkeit kann schneller wieder auf Handlung und Lösung gerichtet werden. Damit entsteht Kontinuität im Arbeitsfluss statt Blockade durch Selbstbewertung. Ob ein Fehler blockiert oder bewegt, entsteht im Moment seiner Bewertung.
Netzwerkkompetenz, Entscheidungsfreude, Wettbewerbsorientierung, sachliche Konfliktführung und ein pragmatischer Umgang mit Fehlern sind nicht ausschließlich „männliche Eigenschaften“. Aber ich sehe sie in der Praxis bei vielen Männern deutlich ausgeprägt. Und ich sehe ihre Wirkung.
In Märkten, die von Unsicherheit, Geschwindigkeit und Wettbewerb geprägt sind, werden genau diese Haltungen zu strategischen Ressourcen. Sie beeinflussen Tempo, Sichtbarkeit, Durchsetzungsfähigkeit und letztlich unternehmerische Stabilität.
Mich interessiert dabei weniger die Geschlechterfrage als die Fragen: Was erhöht Handlungsfähigkeit? Was beschleunigt Entscheidungen? Was stärkt Teams? Was macht Unternehmen erfolgreicher?
Und vieles von dem, was ich hier beschrieben habe, tut genau das.
Glückwünsche, liebe Männer! 😉
Ich bin Maria Mpalaoura, Beraterin, Trainerin und Gründerin von Montagsfreude. Hier schreibe ich über Themen, die helfen, Montagsfrust im Job zu überwinden und Arbeit motivierender zu gestalten.
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